Pflege

Das Sammeln und Besitzen alter Möbel ist nicht nur eine herrliche Leidenschaft, sondern auch eine verantwortungsvolle Aufgabe.

Unikate, die zweihundert oder dreihundert Jahre und mehr an Geschichte überstanden haben, sind ein Kulturgut, das es auch für nachfolgende Generationen zu erhalten gilt.  Es ist daher empfehlenswert, beim Umgang und der Präsentation dieser historischen Unikate, schon präventiv einer Schadensbildung und somit einer eventuellen Wertminderung und Zerstörung vorzubeugen. 
Wer die häufigsten Schadensursachen kennt, die in einer Wohnsituation entstehen können, kann auch als Laie einfache Vorkehrungen treffen, um die Bewahrung der historischen Substanz, die Schönheit und Ausstrahlung seiner Sammelobjekte sowie deren Wert langfristig zu erhalten.

Raumklimaschäden

Einer der wichtigsten Faktoren der Qualitätserhaltung von Holzobjekten ist die Beobachtung und Regulierung des Raumklimas. 

Neben den aus massivem Holz gebauten Möbeln, leiden vor allem überfurnierte und intarsierte Massivhölzer unter zu trockener Raumluft. In Folge der trockenen Raumluft gibt das Holz seine immer vorhandene Restfeuchte an die Umgebungsluft ab - Holz ist auch nach hunderten Jahren ein lebendiges Material.  Das Holz schwindet und es bilden sich Risse (siehe Bild), der Leim versprödet und Furniere können sich lösen und Intarsien schließlich herausbrechen. 

Die Beobachtung des Raumklimas mittels eines digitalen Hygrometers und der Einsatz von Luftbefeuchtern sind probate Mittel, um derartigen Schäden vorzubeugen. 

Die optimale relative Luftfeuchtigkeit für Möbel und auch Mensch liegt zwischen 45% und 55%. 

Zu trockene Luft entsteht besonders schnell, wenn die Außentemperatur unter 10°C sinkt, da die Umgebungsluft dann nicht mehr fähig ist Wasser zu speichern. Zwei Faktoren treffen dann aufeinander: Durch das Heizen trocknet die Luft aus und durch das notwendige Lüften gelangt zusätzlich trockene Luft von außen in die Räume. Nicht selten sinken dann die Werte unter 30% und bilden so enorme Spannungen in Möbeln, die in wärmeren, feuchten Perioden auch 70% Luftfeuchtigkeit ausgesetzt sind. Aber auch an trockenen Sommertagen muss das Raumklima beobachtet werden, egal in welcher Wohnlage sich ein Haus befindet, denn auch ein Fluss oder See in der Nähe schützen nicht vor trockener Luft!

Lichtschäden

Durch direkte und indirekte Sonneneinstrahlung werden die Oberflächen von Schellack und Hölzern angegriffen. Die natürliche Farbe der Hölzer verblasst oder verändert sich durch den ultravioletten Anteil des Tageslichtes. Schellackpolituren, die ein Naturprodukt sind, bleichen aus bzw. vergilben sodass schöne Maketerien oder die Maserungen des Holzes unkenntlich werden. Es entstehen Flecken und bleiche Stellen.  

Besonders Marketerien des 17. und 18. Jahrhunderts wurden mir lichtempfindlichen Pflanzenstoffen gefärbt, sind aber durch das Verbleichen ihrer zum Teil kräftigen Farbigkeit beraubt. 

Bei direkter Sonneneinstrahlung können auf Möbeln mitunter hohe Temperaruren entstehen, die zu Rissbildung und Furnierablösung führen. 
Jalousien und Vorhänge sind ein erster Schutz vor Lichteinwirkungen, aber vor allem die Auswahl des Standortes des Möbels kann vor direktem Lichteinfluss schützen.  Geschlossene Fensterläden bei Abwesenheit schützen nicht nur gegen Blicke sondern komplett gegen Licht.

Wasserschäden

Immer wieder auftretendes Spritzwasser  (z. B.: im Eingangsbereich ein sich schüttelnder nasser Hund) sowie länger anhaltende Feuchtigkeitseinwirkung durch Blumenvasen, Blumentöpfe und auch durch Kondenswasser unter warmen Gefäßen schädigen die wasserempfindlichen Schellack- und Wachsoberflächen.

Kurz auftretender Kontakt mit Wasser, das gleich getrocknet wird, ist unproblematisch - je länger jedoch die Einwirkungszeit ist, umso größer wird der Schaden. 
Zunächst tritt eine Verfärbung des Schellacks auf, bei anhaltender Feuchtigkeit quellen jedoch auch Furniere auf und der darunter liegende Knochenleim löst sich. Einzelne Furnierstücke können sich lösen und wenn diese einmal verloren sind, ist damit auch ein Stück Originalität verloren. 

Historische Möbel sollten deshalb nicht in einem Umfeld aufgestellt werden, in dem sie Spritzwasser ausgesetzt sind. Zuverlässige Untersetzter z. B. aus Glas helfen ebenfalls vorzubeugen. 

Durch die Auflage von Moltontüchern unter Tischdecken oder mit Hilfe von Untersetzern, die einen Abstand zur Oberfläche gewährleisten, können Verfärbungen durch den Kontakt mit warmen Gefäßen vermieden werden.

Schädlingsbefall

Eine erhebliche Schädigung der Substanz von Kunstwerken aus Holz droht durch Schädlingsbefall. 

Plätze, an denen sich Holzwurm und Holzbock sowie deren Larven wohl fühlen, sind dunkle, feuchte, kühle Räume die vorzugsweise unbewohnt sind. Aber auch im Wohnbereich ist ein Befall möglich, wenn auch eher selten. 

Eindeutige Merkmale sind helle Fraßlöcher mit scharfen Kanten oder sich aufhäufendes Holzmehl unter den Möbeln. Man sollte lieber nicht selber zur „Giftspritze“ greifen, denn Substanzen, die die Schädlinge töten, können auch für den Anwender gefährlich sein. Außerdem ist durch ein punktuelles Einspritzen eines Giftes an einer Stelle nicht der gesamte Befall zu erreichen. 

Ein wirkungsvolles und für den Menschen ungiftiges Verfahren ist die Behandlung des gesamten Möbels in einer Thermokammer.  Die Wirkungsweise dieser Methode beruht auf der Zerstörung des Eiweißes der Insekten, deren Larven und Eier durch Hitze

Elektronisch gesteuert wird das Möbel in einer speziellen Kammer langsam auf 55°C erwärmt. Eine ständige Kontrolle der Luftfeuchtigkeit ist hierbei notwendig um Trockenschäden, Lackverfärbungen und Furnierablösungen zu vermeiden.

Restaurierungsschäden

Die Art und Weise und somit das Ergebnis einer Restaurierung hängt vom Können, der Erfahrung und Sorgfalt des Restaurators ab. 

Unerfahrenheit und kommerzielle Ausrichtung können irreversible Schäden und damit verbunden eine Wertminderung des Möbels zur Folge haben. 

Die Erhaltung originaler Substanz und originaler Oberflächen steht bei einer Restaurierung an erster Stelle. In der Nachkriegszeit wurden wegen mangelnder Möglichkeiten oft nicht originale Materialien verwendet, z. B.  falsche Hölzer eingesetzt und moderne Lacke auf antike Möbel gespritzt. In den siebziger Jahren wurden aus Unkenntnis und / oder Zeitersparnis gerne Oberflächen komplett abgeschliffen, wodurch die originale Patina verloren ging. 

Die Aufgabe eines Restaurators ist vorrangig die Konservierung der vorhandenen Substanz, sowie die Restaurierung eventueller durch Gebrauch entstandener Schäden.  Bei der Restaurierung sollten immer die ursprünglich verwendeten Materialien eingesetzt werden und sowohl im Vorfeld als auch während der Restaurierung eine Information des Kunden über die Wert erhaltenden Maßnahmen stattfinden. 

Informieren sie sich vor einer Restaurierung über die Arbeitsweise, die verwendeten Materialien und lassen Sie sich restaurierte Objekte zeigen.

Funktions- und Gebrauchsschäden

Antike Möbel sollen und können trotz ihres hohen Alters in den täglichen Gebrauch integriert werden. 

Bei ständiger Benutzung sollten jedoch die funktionell beanspruchten Bereiche kontrolliert werden, um rechtzeitig eine Beschädigung alter Substanz zu vermeiden. 

Ein häufiger Schaden bei Schubläden wird beispielsweise durch schweren Inhalt verursacht: die Laufleisten der Schübe reiben sich ab und in Folge streift der Schubkasten auf dem Quertravers. Durch dieses Streifen werden Furniere sowohl vom Schub selber als auch vom Travers abgerissen. 

Klemmende Schübe oder Türen führen zu einem Ausreißen von Beschlägen, lose Scharniere zum Ausbrechen ganzer Holzstücke. Bei Sitzmöbeln sind es vor allem die gelösten Zapfenverbindungen der Konstruktion, die eine Restaurierung notwendig machen um ein Zerbrechen oder Zusammenbrechen zu verhindern. 

Eigene Reparaturmaßnahmen eines Laien mit Schrauben, Nägeln oder modernen Leimen schädigen die originale Substanz und erschweren eine spätere fachgerechte Restaurierung. Durch rechtzeitige Beratung und Eingreifen vom Fachmann wird der Zerstörung historischer Materie vorgebeugt und spätere kostenaufwändigere Maßnahmen lassen sich vermeiden.

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